Studio 54
Das Salzburger Landestheater begibt sich auf eine Zeitreise in die schillernde Discowelt der späten 1970er Jahre
Der Nachtclub "Studio 54" in New York City war wohl die legendärste Disco weltweit. Von 1977 bis 1980 feierten hochkarätige Gäste wie Mick Jagger, Diana Ross, Elton John, Michael Jackson, Madonna, Arnold Schwarzenegger, Robert de Niro, um nur einige zu nennen, ausschweifende Partys. Champagner, Kokain und Sex unter der Discokugel. Studio 54 wurde der Ort, um zu sehen und gesehen zu werden. Genauso wichtig für die Atmosphäre waren nicht nur die Promis, sondern auch andere, exzentrische, interessante Charaktere und schöne Menschen, die in den Club kamen, wenn sie denn eingelassen wurden. Die Band "Chic" scheitert am Türsteher Marc Benecke, schrieb dann aus Protest den Welthit "Le Freak" und durfte plötzlich doch Party machen. Der Song war der Tanzflächenrenner im Studio. Alle wollten rein, alle wollten mitmachen, viele wurden abgewiesen. Songs wie YMCA erobern von Studio 54 aus die Welt. Was hier lief hatte Hitpotential. Vor allem ist das Studio 54 bis heute ein Vorbild für sexuelle Gleichberechtigung, für wahrhafte Liberalität und ungehemmte Selbstdarstellung, der Exzess gehörte zum guten Ton. Man musste nur am Türsteher vorbeikommen. Doch unter all dem Glitzer und Glamour lauerten Abgründe: Drogenexzesse, Razzien, Steuerprozesse und die endgültige Schliessung Mitte der 80er Jahre.
Den ersten Teil des Tanzabends eröffente der italienische Choreograf Vincenzo Veneruso. Er macht die Bühne mit seinen Tänzerinnen zum sozialen Raum, in dem Bewegung, Distanz und Annäherung sichtbar werden. Mit Kostümen, inspiriert von der Ära der Siebzigerjahre, wird die Zeitreise authentisch: Im Studio 54 war der äußere Auftritt entscheidend - nicht im Sinne eines festen Dresscodes, sondern als Ausdruck von Individualität und Haltung. Die Performance ist von klassischen Balletteinlagen mit der Popkultur geprägt, ein Wirbel aus Rhythmus, Farben und Lebensfreude - bis die Stimmung kippt.
Der zweite Teil wird von Reginaldo Olivera choreografiert, der in Salzburg zuletzt mit den Balletten "Lili, the Danish Girl", "Dornröschen" und "Fridas Welt" viel Zustimmung erhielt. Das Publikum wird auf eine Reise mitgenommen, die erzählt, wie Musik die Menschen miteinander verbindet, die Emotion, die entsteht und wie der Körper darauf reagiert. Die Interaktion zwischen Menschen, das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Eine animalische Energie entsteht aus der Musik heraus. Auch die Räume jenseits der Tanzfläche tauchen im Bühnenbild auf, Badezimmer, die Toiletten eines Clubs. Hier entstehen Gespräche und Verbindungen zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten. Die Tänzerinnen und Tänzer haben Freude an der Bewegung und lassen sich von der Musik tragen. Die Songs der Disco Ära begleiten diese Hommage und lassen den Geist dieser Popkultur wieder aufleben. (mehr...)
Uraufführung 30.April 2026 / Probenzentrum Aigen, Studio 1 - weitere Aufführungstermine bis 21.6.2026
Foto: Christian Krautzberger |
